Fachartikel im konstruktionspraxis Onlineportal (Mai 2026)
Ein Hersteller von Automatisierungssystemen für Verpackungsprozesse hat seinen Aufwand für die Elektrokonstruktion um rund 50 Prozent gesenkt – messbar, nachvollziehbar, dokumentiert. Dabei spielt auch künstliche Intelligenz eine Rolle.
Alligator Automations ist auf End-of Line-Verpackungsautomatisierung spezialisiert. Zum Portfolio gehören automatisierte Verpackungssysteme, robotergestützte und konventionelle Palettierlösungen, automatische Beladesysteme sowie Intralogistik-Fördertechnik. Mit über 500 Mitarbeitenden begleitet das Unternehmen Projekte von der Planung über Entwicklung und Fertigung bis hin zu Installation, Inbetriebnahme und langfristigem After-Sales-Service.
Jede Anlage wird individuell an Layout, eingesetzte Komponenten, Produktionsgeschwindigkeit und lokale Anforderungen wie Sicherheitsnormen oder Personalverfügbarkeit angepasst. „Der technische Anspruch unserer Projekte wächst stetig, während unsere Kunden immer kürzere Lieferzeiten und individuellere Lösungen erwarten“, erklärt Sagar Bhavsar, Control Engineering Manager bei Alligator Automations. Hinzu kommen globale Sicherheitsstandards, auditsichere Mehrsprachigkeit in der Dokumentation und der anhaltende Fachkräftemangel. Die Kunden von Alligator Automations stammen aus verschiedensten Branchen – etwa Lebensmittel und Getränke, Farben/Zement, Düngemittel und Petrochemie sowie Reifen- und Agrarindustrie.
Die Anforderungen an industrielle Automatisierungslösungen verändern sich rasant. Anlagen werden individueller, Projektlaufzeiten kürzer – und internationale Normen komplexer.
Elektrokonstruktion – das Rückgrat der Automatisierung
Projekte beginnen mit der Analyse technischer und wirtschaftlicher Anforderungen, gefolgt von Konzeptentwicklung, Angebotserstellung, Detailplanung, Programmierung, Lieferung, Installation und Inbetriebnahme. Schulung, Wartung und langfristige Betreuung sorgen dafür, dass die Anlagen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg optimal laufen.
Neben Verfahrenstechnik, Mechanik und Kinematik bildet die Elektrotechnik den zentralen Pfeiler der Automatisierungslösungen von Alligator Automations. Ein zehnköpfiges Planungsteam verantwortet sämtliche elektrotechnischen Aufgaben – von Energieverteilung und Lastmanagement über Antriebstechnik und Robotikintegration bis hin zu Stromlaufplanerstellung, Schaltschrankaufbau, Stücklisten, Materialfreigaben und technischer Abstimmung mit Kunden und Lieferanten. In diesem projektorientierten Umfeld mit hoher Variantenvielfalt bestimmt die Effizienz der E-CAD-Planung maßgeblich die Wirtschaftlichkeit und Termintreue.
Heute laufen die meisten Schritte automatisiert ab: Der manuelle Aufwand sinkt, die Planungsgenauigkeit steigt, Fehler werden minimiert und Projekte schneller umgesetzt.
Von manuellen Tätigkeiten zu automatisierten Prozessen
Alligator Automations setzt dafür auf die E-CAD-Lösung Electrix von WS-CAD. Von den sechs verfügbaren Disziplinen nutzt das Unternehmen „Electrical Engineering“ und „Cabinet Engineering“. Die Plattform integriert außerdem P&ID, Fluid Engineering, Gebäudeautomation und Elektroinstallationsplanung – alle verbunden über eine zentrale Datenbank. Änderungen an Komponenten werden automatisch in allen Ansichten und Disziplinen übernommen – ganz ohne Medienbrüche. Einen weiteren Mehrwert bietet die frei zugängliche Symbol- und Bauteildatenbank wscaduniverse.com mit über 2,2 Millionen Artikeldatensätzen in verschiedenen Formaten.
„Vor der Einführung von WS-CAD nutzten wir ein anderes E-CAD-Tool eines bekannten Herstellers. Es war langsam, funktional veraltet und verfügte nichtüber eine aktuelle Komponentenbibliothek“, berichtet Sagar Bhavsar. Viele Aufgaben – etwa Adernummerierung, Gerätegruppierung, Benennung oder Stücklistenerstellung – mussten manuell ausgeführt werden. Das erhöhte den Engineering-Aufwand, verzögerte Projekte und steigerte das Fehlerrisiko. „Nach dem Wechsel hat sich unser Konstruktionsprozess deutlich verbessert“, so Bhavsar weiter. Heute laufen die meisten Schritte automatisiert ab: Der manuelle Aufwand sinkt, die Planungsgenauigkeit steigt, Fehler werden minimiert und Projekte schneller umgesetzt. Ein prägnantes Beispiel: Allein die automatisierte Adernummerierung reduziert den Arbeitsaufwand um rund 50 Prozent und steigert spürbar die Gesamteffizienz.
Was die Software leistet
- Im Schaltschrankaufbau erstellt die Software präzise 2D- und 3D-Layouts mit Bauteilplatzierungen bis auf 0,1 mm.
- Kollisionsprüfungen, optimierte Leitungsführung und intelligente Platzierungsalgorithmen erhöhen die Konstruktionssicherheit.
- Die Drahtverlegungsfunktionen berechnen automatisch Aderlängen, prüfen Kabelkanalauslastung und sichern eine optimale Kapazitätsnutzung.
- Wiederkehrende Aufgaben lassen sich mit Makros und Makrovarianten beschleunigen – etwa um mit wenigen Klicks eine 25-Ampere-Einspeisung in allen Plänen auf 63 Ampere zu ändern.
- Zudem lassen sich die generierten Daten direkt in Kabelkonfektionierung, Schaltschrankfertigung oder NC-Maschinen übertragen – ohne Medienbrüche und ohne separate Mechanik-CAD-Software. Das spart Zeit, reduziert Fehlerquellen und verbessert die Qualität im gesamten Fertigungsprozess.
KI-gestützter Effizienzschub
Projektdokumentationen und Reports entstehen per Knopfdruck – vollständig, normenkonform und mehrsprachig. Die integrierte künstliche Intelligenz steigert die Produktivität zusätzlich: Sie unterstützt automatische Prüfprozesse, beschleunigt Designschritte und vereinfacht die Dokumentation. Besonders bei internationalen Projekten ist die KI-gestützte Übersetzungsfunktion ein Pluspunkt: Fachinhalte werden per kurzem Textbefehl unter Beachtung der Fachterminologie automatisch in die gewünschte Sprache übertragen. Eine Aufgabe, die früher externe Übersetzungsbüros erforderte und Stunden oder Tage dauerte, ist jetzt in wenigen Minuten abgeschlossen. Im Bereich ‚AI-Wissen‘ können firmenspezifische Dokumente wie Kundenvorschriften, Herstellerfreigaben oder Klemmen kennzeichnungsrichtlinien hinterlegt werden. Ein kurzer Textbefehl genügt, und der AI Copilot liefert die passen den Informationen kontextabhängig binnen Sekunden.
KI als Wegbereiter für die Zukunft
Für Sagar Bhavsar ist die Integration von KI kein kurzfristiger Trend, sondern ein struktureller Wandel. „Wir sind überzeugt, dass künstliche Intelligenz die Elektroplanung und industrielle Automatisierung grundlegend verändern wird.“ KI-gestützte Systeme entwickeln sich zu intelligenten Engineering-Assistenten, die Fehlererkennung, Designvalidierung und Komponentenwahl unter stützen – und auf Basis vergangener Projekte Optimierungspotenziale identifizieren. „Wir sehen eine Zukunft, in der KI unsere Durchlaufzeiten weiter reduziert, die Genauigkeit erhöht und unsere Ingenieure von repetitiven Aufgaben entlastet“, so Bhavsar. Das schafft Raum für Innovation, Systemoptimierung und die Weiterentwicklung smarter Automatisierungslösungen.
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