Die nächste KI-Stufe in der Elektrokonstruktion

By 07. September 2026September 21st, 2026Fachartikel, KI in der Elektrokonstruktion

Beitrag „WSCAD skizziert nächste KI-Stufe in der Elektrokonstruktion“
Digital Factory Journal (VDE VERLAG), 07.09.2026

Vom Zeichnen zum Entscheiden

KI in der Elektrokonstruktion wird bislang vor allem als Copilot diskutiert, der einzelne Arbeitsschritte beschleunigt. Das Digital Factory Journal beschreibt, wie WSCAD mit ELECTRIX OS die nächste Stufe angeht: Engineering Intelligence, eine KI-Ebene, die technische Anforderungen interpretiert, Lösungswege entwickelt und Engineering-Aufgaben selbst im E-CAD-System ausführt.

Seit Ende 2024 ist mit ELECTRIX AI eine assistierende KI fest in die E-CAD-Software von WSCAD integriert. Sie unterstützt Konstrukteure bei einzelnen Aufgaben, stellt Informationen bereit und automatisiert Prozessschritte, und sie wird auch künftig konsequent weiterentwickelt. Parallel dazu beginnt jedoch eine zweite, grundlegendere Entwicklung. Mit ELECTRIX OS verschiebt sich der Fokus von der Bedienung der Software auf das gewünschte Engineering-Ergebnis.

Engineering Intelligence auf dem RE:ENGINEER live erleben

Weltpremiere am 13. Oktober 2026 im ESO Supernova Planetarium in Garching bei München. WSCAD zeigt, wie aus dem Begriff „Engineering Intelligence“ gelebte Praxis wird.

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Was ist Engineering Intelligence in der Elektrokonstruktion?

Engineering Intelligence bezeichnet eine KI-Ebene, die zwischen Elektrokonstrukteur und E-CAD-Anwendung tritt, technische Vorgaben interpretiert, daraus Lösungswege entwickelt und die notwendigen Schritte im E-CAD-System anstößt oder selbst ausführt. Bisher folgte die Arbeitsteilung einer festen Kette: Der Konstrukteur entwickelt die technische Lösung und steuert die Software, die Software setzt die Vorgaben um und erzeugt Pläne und Dokumentation. Mit Engineering Intelligence definiert der Konstrukteur weiterhin Ziele, technische Anforderungen und Randbedingungen, den Weg dorthin entwickelt jedoch die neue Ebene.
Aus der Kette KonstrukteurE-CAD-SoftwareDokumentation
wird KonstrukteurELECTRIX OSE-CAD-Software.

Vom Zeichenwerkzeug über die KI-Assistenz zur Engineering Intelligence: die drei Entwicklungsstufen des E-CAD. (Quelle: WSCAD)

Wie unterscheidet sich Engineering Intelligence von einem KI-Copiloten?

Ein Copilot beschleunigt einzelne Arbeitsschritte innerhalb der bestehenden Bedienlogik, Engineering Intelligence bearbeitet komplette Engineering-Aufgaben. ELECTRIX OS ist deshalb ausdrücklich nicht als weiterer Copilot innerhalb der bestehenden Software angelegt. Ziel ist, dem Konstrukteur eine Art digitalen Kollegen an die Seite zu stellen, der nicht nur auf einzelne Anweisungen wartet, sondern Aufgaben übernimmt und die dafür nötigen Arbeitsschritte im E-CAD-System ausführt. Das ist laut Beitrag ein deutlich größerer Entwicklungsschritt als lediglich „CAD mit KI“. Aus einer KI, die den Konstrukteur unterstützt, wird eine KI, die gemeinsam mit ihm an einer Engineering-Aufgabe arbeitet.

Das Engineering-Ziel wird zum Ausgangspunkt

Künftig beginnt die Arbeit in der Elektrokonstruktion beim technischen Ziel, nicht mehr bei der Bedienung der Software. Heute müssen Konstrukteure häufig nicht nur wissen, was erreicht werden soll, sondern auch, mit welchen Funktionen und Arbeitsschritten sich das in der jeweiligen Software umsetzen lässt. Mit Engineering Intelligence legt der Konstrukteur technische Anforderungen, Normen und Richtlinien, Kosten- oder Platzvorgaben, bevorzugte Komponenten oder unternehmensinterne Standards fest. ELECTRIX OS führt diese Rahmenbedingungen zusammen und leitet daraus einen technischen Lösungsvorschlag ab, die E-CAD-Software übernimmt Umsetzung und Dokumentation. Die Zeichnung steht damit nicht mehr zwangsläufig am Anfang des Prozesses, sondern wird zum Ergebnis der zuvor getroffenen Engineering-Entscheidungen.

Für den Konstrukteur verschiebt sich damit der Schwerpunkt seiner Arbeit: Er definiert Ziele und Randbedingungen, bewertet Ergebnisse, setzt Prioritäten und greift bei Bedarf ein. Entscheidend ist dann nicht mehr allein, wie sich bestehende Arbeitsschritte schneller erledigen lassen, sondern welche Teile einer Engineering-Aufgabe die KI selbstständig bearbeiten kann, während der Mensch Ziele und Qualitätsmaßstäbe vorgibt.

ELECTRIX AI 2026 erkennt Ähnlichkeiten im Schaltschrankaufbau und schlägt Aufbaumöglichkeiten vor, der Konstrukteur prüft und vervollständigt. (Quelle: WSCAD)

Warum schafft Engineering Intelligence zusätzliche Engineering-Kapazität?

Engineering Intelligence macht vorhandenes Engineering-Wissen systematisch verfügbar und entlastet Fachkräfte von wiederkehrenden Aufgaben. Konstruktionsregeln, Unternehmensstandards, Methoden, Normen und Erfahrungswissen sind heute oft an einzelne Mitarbeitende oder Teams gebunden. Eine Engineering-Intelligence-Ebene kann diese Vorgaben systematisiert bereitstellen und in die Bearbeitung neuer Aufgaben einbeziehen, sodass sich das Wissen breiter im Unternehmen nutzen lässt.

Das adressiert eine Herausforderung, die viele Engineering-Abteilungen beschäftigt: Steigende Variantenvielfalt und Systemkomplexität treffen auf begrenzte personelle Ressourcen. KI erhöht in diesem Szenario nicht in erster Linie die Zeichengeschwindigkeit, sondern erschließt zusätzliche Engineering-Kapazität. Damit ändert sich die Frage, die sich Unternehmen stellen sollten. Nicht mehr, welcher Copilot einzelne Arbeitsschritte am stärksten beschleunigt, sondern wie viel Engineering-Kapazität sie mit ihren vorhandenen Fachkräften bereitstellen können.

Nachvollziehbarkeit als Voraussetzung

Je mehr technische Aufgaben eine KI übernimmt, desto wichtiger wird die Nachvollziehbarkeit ihrer Entscheidungen. Entwickelt das System einen Lösungsweg oder nimmt es Änderungen im E-CAD-System vor, muss erkennbar bleiben, auf welchen Anforderungen, Regeln, Normen und Randbedingungen diese Schritte beruhen und welche Aktionen es ausgeführt hat. Transparenz und Traceability haben deshalb gerade in industriellen Engineering-Prozessen hohe Bedeutung. Eine KI, die technische Entscheidungen vorbereitet und deren Umsetzung anstößt, muss ihre Arbeit für den verantwortlichen Ingenieur überprüfbar machen.

Was ist der Unterschied zwischen ELECTRIX AI und ELECTRIX OS?

ELECTRIX AI ist der KI-Assistent innerhalb der E-CAD-Software von WSCAD, ELECTRIX OS die übergeordnete Engineering-Intelligence-Ebene darüber. ELECTRIX AI bleibt in der bestehenden E-CAD-Umgebung angesiedelt und wird dort weiterentwickelt. ELECTRIX OS interpretiert Anforderungen, bearbeitet Engineering-Aufgaben und nutzt die E-CAD-Software als ausführendes Werkzeug. Bereits zuvor hatte WSCAD die Entwicklung in drei Stufen eingeordnet, von der klassischen Digitalisierung über die assistierende KI bis zum AI-native Engineering. Mit ELECTRIX OS nimmt diese dritte Stufe nun konkrete Formen an.

Der eigentliche Paradigmenwechsel liegt deshalb weniger darin, bestehende CAD-Prozesse um zusätzliche KI-Funktionen zu ergänzen. Es verändert sich der Ausgangspunkt des Engineerings: Der Mensch beschreibt, was technisch erreicht werden soll, die Engineering Intelligence entwickelt Lösungswege für das Wie und nutzt die E-CAD-Software für deren Umsetzung. Vom Zeichnen zum Entscheiden, darin sieht der Beitrag die nächste Entwicklungsstufe der Elektrokonstruktion.

ELECTRIX OS bildet die Engineering-Intelligence-Ebene über der E-CAD-Software. (Quelle: WSCAD)

Häufige Fragen

Ersetzt Engineering Intelligence den Elektrokonstrukteur?

Nein. Engineering Intelligence stellt dem Konstrukteur eine Art digitalen Kollegen an die Seite. Die KI liefert die technische Zuarbeit, der Mensch bewertet das Ergebnis, entscheidet über dessen Verwendung und trägt die fachliche Verantwortung.

Bleibt ELECTRIX AI neben ELECTRIX OS bestehen?

Ja. ELECTRIX AI bleibt als KI-Assistent in der E-CAD-Software von WSCAD erhalten und wird dort weiterentwickelt. ELECTRIX OS ergänzt sie als übergeordnete Ebene.

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Diese Zusammenfassung basiert auf dem Beitrag „WSCAD skizziert nächste KI-Stufe in der Elektrokonstruktion“, erschienen am 07.09.2026 im Digital Factory Journal (VDE VERLAG).

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