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Der Mensch wird fast zu einer Art Teamleiter

Interview von WSCAD CEO Dr. Axel Zein mit dem Fachmagazin Automation NEXT (Januar 2026)

KI im Engineering: Vom Werkzeug zum virtuellen Teammitglied

„Der Mensch wird dann fast zu einer Art Teamleiter“

In einem Interview mit dem Fachmagazin Automation NEXT spricht Dr. Axel Zein, CEO von WSCAD, über den aktuellen Stand und die Zukunft von Künstlicher Intelligenz im Engineering. Sein Fazit ist klar: Trotz großer Aufmerksamkeit steht KI in klassischen Ingenieurdisziplinen noch ganz am Anfang. „Generell stehen wir beim Thema KI im Engineering noch ganz am Anfang – wirklich ganz am Anfang“, so Zein. Während KI in der Softwareentwicklung bereits vergleichsweise etabliert ist, spiele sie in Bereichen wie Elektrotechnik, Mechanik oder PCB-Design bislang kaum eine Rolle.

Auf der Automation NEXT Conference 2025 zeigte Dr. Axel Zein, CEO der WSCAD GmbH, aus Herstellerperspektive, wie sich Engineering-Prozesse durch KI nicht nur optimieren, sondern grundlegend verändern lassen.

Zein sieht einen zentralen Grund dafür in der Herangehensweise vieler Unternehmen. Häufig werde zuerst über Technologie gesprochen, statt über den konkreten Nutzen. „Die wichtigste Frage am Anfang eines jeden KI-Projekts lautet nicht: ‚Welche Technologie nutzen wir?‘, sondern: ‚Welches Problem wollen wir lösen?‘“, erklärt er. Entscheidend sei es, relevante Use Cases zu identifizieren, Daten, Entwickler-Know-how und Domänenwissen zusammenzuführen und offen für neue Denkansätze zu sein. Diese Phase werde seiner Erfahrung nach oft unterschätzt.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist für Zein das Mindset. Offenheit allein reiche nicht aus – Unternehmen müssten auch bereit sein, Arbeitsweisen zu verändern. Er zieht Parallelen zur Automatisierung in der Fertigung: „Der Mitarbeiter hat nicht mehr selbst geschweißt, sondern gelernt, den Roboter einzustellen und zu überwachen.“ Im Engineering verlaufe die Entwicklung ähnlich: Ingenieure arbeiteten anders, aber nicht weniger. KI ermögliche es bereits heute, Aufgaben deutlich schneller zu erledigen und mehr Projekte in derselben Zeit umzusetzen.

Dabei betont Zein, dass Vertrauen eine zentrale Rolle spielt – sowohl mit Blick auf Arbeitsplätze als auch auf die Zuverlässigkeit von KI-Ergebnissen. Gerade im Engineering dürfe man nicht ausschließlich auf KI-Modelle setzen: „KI kann halluzinieren.“ Deshalb kombiniere WSCAD KI-Modelle mit strikten regelbasierten Systemen. „Das erzeugt robuste Ergebnisse – und damit Vertrauen.“

Mit Blick auf die Zukunft sieht Zein KI nicht nur als unterstützendes Feature, sondern als aktiven Teil des Engineerings. Erste KI-Funktionen in CAD-Systemen seien hilfreich, aber noch nicht transformativ. Der eigentliche Wandel beginne dort, wo KI größere Teile des Engineerings übernimmt. Seine Vision beschreibt er so: „Unsere Vision ist ein System, das wie ein erfahrener Elektrokonstrukteur agiert.“ Der Anwender gebe Anforderungen vor, das System stelle Rückfragen, schlage Lösungen vor und konstruiere selbst. „Der Mensch wird dann fast zu einer Art Teamleiter, der einen virtuellen Konstrukteur anleitet.“

Zeitliche Prognosen betrachtet Zein mit Vorsicht. Erste Entwicklungen könnten ab 2027 sichtbar werden, doch Engineering sei hochkomplex und erfordere die Balance zwischen strikten Regeln und kreativen Schlussfolgerungen. Wie schnell sich diese Vision realisieren lasse, sei stark von der technologischen Entwicklung abhängig.

Abschließend richtet Zein den Blick auf Unternehmen, die jetzt mit KI starten wollen. Sein Rat: klein anfangen, interdisziplinäre Teams bilden und konkrete Anwendungsfälle priorisieren. Wichtig sei zudem die Unterstützung durch die Führungsebene. „Entweder es ist wichtig, dann muss die Führungsebene hinschauen. Oder es ist nicht wichtig – dann sollte man es vielleicht einfach lassen.“

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