Fachbeitrag über WSCAD in DER KONSTRUKTEUR (01.09.2026)
Autor: (Vereinigte Fachverlage)
Das Zeitalter der Engineering Intelligence bricht an
Während der Markt noch darüber debattiert, wie man sich auf KI vorbereitet, vollzieht sich in der Elektrokonstruktion längst ein fundamentaler Architekturwechsel. DER KONSTRUKTEUR beschreibt in einem Fachbeitrag, warum das klassische E-CAD vor seinem Ende steht – und was das für die Rolle des Konstrukteurs bedeutet.
Ausgangspunkt des Beitrags ist eine internationale Online-Befragung unter 1.267 E-CAD-Anwendern aus 40 Ländern. Ihr Ergebnis fällt über alle Regionen hinweg identisch aus: steigende Systemkomplexität, explodierende Variantenvielfalt, immer strengere Dokumentationspflichten und ein akuter Fachkräftemangel erzeugen eine Projektlast, die mit den bisherigen Werkzeugen kaum noch zu bewältigen ist.
Das Innovations-Dilemma
Besonders bedenklich ist ein Befund der Studie: Konstrukteure verbringen im Schnitt rund 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit wertschöpfungsfreien Routineaufgaben – Artikeldaten pflegen, Komponenten suchen, Listen manuell aktualisieren, Projektkonsistenzen prüfen. Daraus entsteht ein Dilemma, das sich selbst verstärkt: Über die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, dass ihnen schlicht die Zeit fehlt, produktivitätssteigernde Technologien überhaupt einzuführen. Sie sind zu stark im operativen Tagesgeschäft gebunden. Die Antwort darauf liegt laut Beitrag nicht in jahrelangen Prozessumstellungen oder Mega-IT-Projekten, sondern in Werkzeugen, die sofort spürbar entlasten und Zeit dorthin zurückgeben, wo sie gebraucht wird: in die wertschöpfende Konstruktion.
KI ist in diesem Kontext kein neues Softwarefeature, sondern eine technologische Antwort auf ein strukturelles Problem.
Dr. Axel Zein, WSCAD
Drei Phasen der Engineering-Software
Um echte Entlastung von bloßem Marketing zu unterscheiden, beschreibt der Beitrag drei Entwicklungsphasen. „Nicht jede Form von KI verändert das Engineering jedoch in gleicher Tiefe“, ordnet Dr. Axel Zein, CEO der WSCAD GmbH, den Umbruch ein.
- Phase 1 – klassische Digitalisierung und Automatisierung: heutiger Standard der meisten E-CAD-Systeme, basierend auf klaren Regeln und reproduzierbaren Abläufen. Der Mensch steuert jeden Schritt manuell, das System führt ihn digital aus.
- Phase 2 – assistierende KI: Die KI wird als Copilot an den bestehenden Prozess angeflanscht und beschleunigt Teilschritte wie Suchen, Übersetzen, Makros platzieren oder Auswertungen erzeugen. In Einzelprozessen wie der Materialgenerierung oder Fehlerprüfung sind gemessene Zeitersparnisse von über 90 Prozent möglich – gezeichnet wird aber weiterhin manuell.
- Phase 3 – AI-native Engineering: der eigentliche Architekturwechsel. Die Plattform interpretiert den gesamten technischen Kontext samt logischer Funktionen und Beziehungen. Der Anwender beschreibt nicht mehr einzelne Klicks, sondern das funktionale Ziel in natürlicher Sprache; die Software leitet eigenständig Lösungsvorschläge ab.
Ankündigung versus Realität
Für Unternehmen im globalen Wettbewerb entscheidet nicht die Roadmap eines Herstellers, sondern die technologische Realität im Hier und Jetzt – und genau dort trennt sich im E-CAD-Markt derzeit die Spreu vom Weizen. Während einige Anbieter Anfang des Jahres vage KI-Funktionen angekündigt haben und viel Energie darauf verwenden, ihre Systeme als „KI-vorbereitet“ zu erklären, ist Phase 2 bei WSCAD längst gelebte Praxis: Seit Ende 2024 ist mit ELECTRIX AI eine produktive, assistierende KI fest in die Software integriert – kostenlos für alle Anwender. Konstrukteure können damit Routineaufgaben eliminieren und ihre Gesamtprojekte um bis zu 50 Prozent beschleunigen. Für den Herbst 2026 hat WSCAD den nächsten Schritt angekündigt: die Markteinführung der weltweit ersten vollständig AI-nativen E-CAD-Lösung. „Wer KI als reine Softwareeinführung versteht oder glaubt, ein Copilot sei bereits die KI-Transformation, bleibt auf halbem Wege stehen“, sagt Zein. „Die eigentliche Herausforderung und Chance liegt darin, Prozesse grundsätzlich neu zu denken“.
Warum KI gerade jetzt funktioniert
Dass dieser Sprung ausgerechnet jetzt gelingt, führt der Beitrag auf die Fusion zweier Entwicklungen zurück. Moderne Large Language Models und verbesserte Reasoning-Modelle verstehen unstrukturierte, menschlich formulierte Anforderungen und zerlegen komplexe Aufgaben in logische Schritte. Der entscheidende Katalysator ist jedoch die semantische Datenbasis moderner E-CAD-Systeme: Komponenten sind dort keine 2D-Grafiken mehr, sondern digitale Zwillinge, die Funktionen, Anschlüsse, thermische Verlustleistungen und logische Beziehungen mitführen. Generiert eine native KI ein Schaltschranklayout, ist das deshalb keine unkontrollierbare Blackbox: Das System analysiert in Sekunden geometrische und thermische Randbedingungen, dimensioniert Kabelkanäle, optimiert Leitungslängen unter Berücksichtigung von EMV-Abständen und schlägt valide Varianten vor. Die Entscheidungshoheit bleibt beim Menschen.
Das ist der Wandel vom Instrumentalisten zum Dirigenten.
Dr. Axel Zein, WSCAD
Der Konstrukteur wird zum Orchestrator
Die Befürchtung, KI vernichte Arbeitsplätze im Engineering, greift dem Beitrag zufolge zu kurz: Angesichts steigender Komplexität in der Gebäudeautomation sowie im Maschinen- und Anlagenbau wird künftig sogar mehr Engineering-Leistung benötigt. Was sich fundamental verändert, ist das Rollenbild. Der Schaltplan bleibt als verbindlicher Nachweis bestehen, ist aber nicht mehr der manuelle, zeitraubende Ausgangspunkt. Aus dem Zeichner wird ein Orchestrator, der die technische Absicht, die Normen und die Kostenlimits definiert. „Wer Anforderungen und funktionale Zusammenhänge präzise in natürlicher Sprache ausdrücken kann, wird mit modernen Systemen um ein Vielfaches produktiver arbeiten“, so Zein.
Skalierung als Chance
Nachhaltige Wettbewerbsvorteile entstehen künftig nicht mehr dort, wo einzelne Mitarbeitende noch schneller zeichnen, sondern dort, wo Unternehmen menschliches Fachwissen durch echte Engineering Intelligence vervielfachen. Wer heute auf ein produktives System setzt, statt auf die Versprechen anderer zu warten, skaliert sein Engineering-Wissen und kann sich im Markt von morgen behaupten. Oder wie Dr. Zein es auf den Punkt bringt: „Der Konstrukteur der Zukunft wird weniger Zeit mit Zeichnen verbringen und mehr Zeit mit Entscheiden.“
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Fachbeitrag „Ende des klassischen E-CAD“, erschienen am 01.09.2026 in DER KONSTRUKTEUR. Alle Zitate stammen aus diesem Beitrag.




